Logo polizeireport.ch

Blaulicht

Bilanz 2021: Mehr Straftaten – Cyberkriminalität nimmt zu

2022-03-28 11:00:04
newsbot by content-proivder.ch GmbH
Quelle: Kantonspolizei Thurgau

Die Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen: Gemäss Polizeilicher Kriminalstatistik 2021 wurden im Thurgau 9435 Straftaten gemäss Strafgesetzbuch registriert, das ist gegenüber dem Tiefststand von 2020 eine Zunahme um 908 Delikte oder 11 Prozent, wie die Kantonspolizei Thurgau schreibt.

Damit bewegt sich die Zahl der Straftaten wieder im Bereich wie vor Corona: 2019 waren es 9419 Delikte gewesen. Im langjährigen Vergleich seien diese Zahlen tief: Noch im Jahr 2013 mussten fast 12`000 Delikte registriert werden.

Die Häufigkeitszahl, die Anzahl Straftaten pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, stieg im vergangenen Jahr von 30.5 auf 33.3. Für die ganze Schweiz liegt dieser Wert bei 47.9 (49.0). Leicht abgenommen habe die Aufklärungsquote, von 43.3 auf 41.7 Prozent.Bei den Gewaltstraftaten wurden vergangenes Jahr 1019 Delikte registriert, 2.5 Prozent mehr als 2020. Dabei nahm die schwere Gewalt um 31 Prozent auf 42 Straftaten zu; das vollendete und die drei versuchten Tötungsdelikte wurden aufgeklärt.

Der schweren Gewalt zugerechnet werden auch 17 (2020: 16) Fälle schwerer Körperverletzung. Die minderschwere Gewalt ging um 1 Prozent zurück: Während bei einfachen Körperverletzungen ein Rückgang von 17 Prozent auf 129 Delikte zu verzeichnen war, stieg die Anzahl Tätlichkeiten um 2 Prozent auf 329 an.

 Zurückgegangen seien die Fallzahlen bei der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, von 62 auf 55; dabei waren in 23 Fällen (2020: 24) Polizistinnen und Polizisten betroffen. 90.3 Prozent aller Gewaltdelikte wurden aufgeklärt, was der Arbeit der Ermittlung, der Fahndung und der Kriminaltechnik ein sehr gutes Zeugnis ausstellt.

Leicht abgenommen auf 209 (2020: 214) habe vergangenes Jahr die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Integrität. Stark angestiegen sei dabei die Zahl der Vergewaltigungen, von 9 auf 21 Delikte.

13 Fälle ereigneten sich im privaten und 5 im öffentlichen Bereich; in drei Fällen fehlt eine solche Zuordnung.  Die Vermögensdelikte machen jedes Jahr etwa zwei Drittel aller registrierten Straftaten aus, 2021 waren es 65.5 Prozent.

Mit der Gesamtzahl der Straftaten stieg auch diese Zahl an: Es wurden 6191 (5493) Straftaten gegen das Vermögen registriert. Die Zahl der Einbrüche ging nochmals um 3 Prozent auf den historischen Tiefststand von 470 Delikten zurück; im Jahr 2013 waren noch fast 1200 Fälle registriert worden.

Hingegen habe die Zahl der Einschleichdiebstähle um 50 Prozent zugenommen, es wurden 396 solche Delikte registriert (2020: 265). Auch die Zahl der Ladendiebstähle sei um 26 Prozent auf 423 gestiegen.

Die Zahlen beim Einbruchdiebstahl seien zwar seit mehreren Jahren rückläufig, doch wie schon 2020 dürfte auch im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie die Entwicklung verstärkt haben. Wegen Covid blieb die Bevölkerung mehr zu Hause, wodurch Einbrecher abgeschreckt wurden.

Zudem dürften die wegen den vielen Einreisebeschränkungen weniger durchlässigen Grenzen spezialisierten Tätergruppen die Einreise erschwert haben. Der Anstieg bei den Einschleichdiebstählen lasse sich am besten mit dem Spruch "Gelegenheit macht Diebe" erklären, das heisst die Täter nutzen die "günstige Gelegenheit", die zum Beispiel sorg- und arglose Mieterinnen und Mieter von Mehrfamilienhäusern bieten, wenn sie Haus- und Wohnungstüren nicht abschliessen.

Deutlich angestiegen, um 17 Prozent auf 503 Fälle, sei die Zahl der Betrugsdelikte. Vor zehn Jahren waren noch 135 solche Delikte registriert worden.

Die Zahlen widerspiegeln die rasante Entwicklung bei den Online-Shopping- oder Verkaufsplattformen, auf denen sich auch viele gut organisierte Betrüger tummeln. 455 Betrugsfälle werden denn auch der digitalen Kriminalität ("Cybercrime") zugeordnet.

Die wachsende Bedeutung dieser Form der Kriminalität schlägt sich in der Struktur der Polizeilichen Kriminalstatistik nieder: Erstmals werden die Straftaten mit einem Modus operandi der digitalen Kriminalität separat abgebildet und die Zahl der Delikte mit dem Vorjahr verglichen. Dabei wurde im Vergleich zum Jahr 2020 ein Anstieg um 25 Prozent registriert.

Nebst dem Betrug (von 342 auf 455), haben auch der betrügerische Missbrauch    einer Datenverarbeitungsanlage und Erpressung zugenommen.Vergangenes Jahr musste die Kantonspolizei Thurgau 665 Mal (2020: 634) wegen Häuslicher Gewalt (HG) ausrücken. Bei 463 dieser Interventionen handelte es sich um HG mit mindestens einem Straftatbestand.

Die anderen Polizeieinsätze betrafen familiäre Vorfälle, bei denen kein Straftatbestand erfüllt war (z.B. verbale Streitigkeiten).

Die Zahl der Straftaten bei Häuslicher Gewalt bewegte sich damit auf dem Niveau des Jahres 2020 (469), während im Jahr 2019 noch 539 solche Straftaten registriert worden waren. Ein pandemiebedingter Anstieg der Fallzahlen, wie er in anderen Kantonen oder Ländern beobachtet wurde, konnte also im Thurgau nicht festgestellt werden.

Mit 180 Wegweisungen und Kontaktverboten wurden im Jahr 2021 auch etwas weniger Gewaltschutzmassnahmen als 2020 (186) ausgesprochen.Die Pandemie habe die Kriminalstatistik beeinflusst, und sie war erneut ein prägender Faktor in der Polizeiarbeit. Für Kommandant Jürg Zingg gab es drei zentrale Herausforderungen: Die Einsatzfähigkeit aufrecht erhalten, die Durchhaltefähigkeit sicher stellen und bestmöglich für die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen.

Diese Ziele wurden erreicht, auch dank der hohen Einsatz- und Leistungsbereitschaft auf allen Ebenen. Die Ausfallzahlen bewegten sich meist im einstelligen Bereich und lagen nie über 20 Mitarbeitenden.

Die Kantonspolizei war "jederzeit voll einsatzfähig", so Zingg. Ihm war es zudem ein Anliegen, dass die Kapo von der Bevölkerung nicht als "Corona-Polizei" wahrgenommen wird: "Ich denke, das sei gelungen." Aber natürlich mussten im vergangenen Jahr auch im Thurgau knapp 300 Ordnungsbussen gemäss Covid-19-Verordnung ausgestellt werden; zum Beispiel für Nichttragen einer Gesichtsmaske.Bekanntlich habe der Grosse Rat der Kantonspolizei Thurgau im Frühling 2020 die Erhöhung des Korpsbestands von 384 auf neu 475 Polizisten und Polizistinnen bewilligt; dies innerhalb von zehn bis zwölf Jahren.

Zur Begründung führten Kantonspolizei und Regierung und andere an, dass die Digitalisierung der Gesellschaft und die technologische Entwicklung starke Auswirkungen auf die Polizeiarbeit haben, deren Komplexität deutlich zugenommen habe und weiter steigen wird. Auch das Bevölkerungswachstum verlangt nach zusätzlichen Ressourcen: Seit 2011 sei die Wohnbevölkerung im Thurgau um rund 14 Prozent gewachsen, und auch in den kommenden Jahren sei von einem Anstieg auszugehen.

Mehr Menschen, mehr Fahrzeuge: Der Motorfahrzeugbestand stieg zwischen 2011 und 2021 sogar um 24 Prozent. Auch in Zukunft sei mit einem steigenden Fahrzeug- und Verkehrsaufkommen zu rechnen.Der Aufwuchs kommt gemäss Kommandant Zingg sehr gut voran: Am 1. März 2022 zählte die Kantonspolizei 416 Polizistinnen und Polizisten, das heisst ein Drittel der Bestandserhöhung sei bereits realisiert.

Doch natürlich muss und will die Kantonspolizei Thurgau weiter wachsen. Sie werde deshalb alle Hebel in Bewegung setzen, um Nachwuchs über den regulären Weg, die Ausbildung an der Polizeischule Ostschweiz zu rekrutieren – wohlgemerkt, ohne Konzessionen bei den Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber zu machen.

Zudem solle die Kantonspolizei auf dem umkämpften "Polizei-Arbeitsmarkt" als so attraktiv wahrgenommen werden, dass Polizistinnen und Polizisten aus anderen Korps in den Thurgau wechseln. Die Kampagne "Auf uns sei Verlass", die Anfang Mai lanciert wird, solle dazu beitragen, beide Ziele zu erreichen.Tel.

work+41 58 345 28 28.

Suche nach Stichworten:

alle Bilanz 2021: Straftaten Cyberkriminalität



Top News


» Die Polizei greift mit Gewalt ein und unterbricht eine illegale Party in Montagny-les-Monts


» Diessenhofen: Pfanne auf Herd vergessen


» Personenwagen kollidiert mit Motorrad


» Stadt Schaffhausen: Kollision zwischen E-Bike und Motorfahrrad


» Am Donnerstagabend (26.05.2022) spielte der FC Schaffhausen in der Wefox Arena das Barragespiel gegen den FC Luzern. Im Anschluss an das Fussballspiel kam es zu verschiedenen Konfrontationen zwischen den beiden Fangruppierungen. Dabei kam es auf Seiten der Fans und der Einsatzkräfte der Schaffhauser Polizei zu einigen leicht verletzten Personen.

Newsletter anmelden

Jeden Tag um 17 Uhr die neusten Meldungen in Ihrer Inbox.